Herzinsuffizienz: Wie eine kardiologische Rehabilitation helfen kann
Herzinsuffizienz – auch Herzschwäche genannt – betrifft viele Menschen in Deutschland. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für Krankenhausaufenthalte. Viele Betroffene fühlen sich schnell erschöpft, sind weniger belastbar und haben Sorge vor körperlicher Aktivität.
Eine aktuelle Studie der MEDIAN Kliniken zeigt jedoch: Eine kardiologische Rehabilitation kann die Situation deutlich verbessern. Die Behandlung hilft Patient*innen nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.
Studie mit über 800 Patient*innen
Für die Untersuchung wurden Daten von 808 Patient*innen aus 17 MEDIAN Kliniken ausgewertet. Sie nahmen an einer stationären kardiologischen Rehabilitation teil, die im Durchschnitt etwa drei Wochen dauerte. Die Ergebnisse wurden jetzt im renommierten Fachjournal Clinical Research in Cardiology veröffentlicht.
Das Ziel der Studie war es zu untersuchen, welchen Einfluss eine Rehabilitation auf Menschen mit Herzinsuffizienz hat.
Deutliche Verbesserungen nach der Rehabilitation
Die Ergebnisse zeigen klar: Die Rehabilitation hat vielen Patient*innen geholfen. Nach der Behandlung konnten die Teilnehmenden:
- körperlich mehr leisten und waren stärker belastbar
- eine verbesserte Herzfunktion zeigen
- niedrigere Werte eines wichtigen Herzinsuffizienz-Markers im Blut aufweisen
- über eine bessere Lebensqualität berichten
- sich psychisch stabiler fühlen
Auch die Sicherheit der Behandlung wurde bestätigt. Komplikationen oder schwere Zwischenfälle traten nur sehr selten auf. Sogar seltener, als wenn die die Patient*innen keine Rehabilitationsangebote nach einem Krankenhausaufenthalt wahrnehmen. Der positive Effekt der Rehamaßnahme war sechs Monate nach Entlassung noch signifikant nachweisbar.
Rehabilitation – mehr als nur Bewegung
In einer kardiologischen Rehabilitation geht es nicht nur um körperliches Training. Patient*innen erhalten ein umfassendes Programm, das unter anderem umfasst:
- medizinisch betreutes Herz-Kreislauf-Training
- Schulungen zum Umgang mit der Erkrankung
- Unterstützung bei Ernährung und Lebensstil
- psychologische Begleitung
- Beratung zur langfristigen Stabilisierung der Gesundheit
- Optimierung der Medikation
- Ärztliche Überwachung der Herzfunktion
Ziel ist es, Betroffenen zu helfen, mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen und langfristig besser mit ihrer Erkrankung zu leben.
Noch zu wenige Menschen nutzen diese Möglichkeit
Trotz der positiven Ergebnisse zeigt die Studie auch ein Problem. Noch immer nehmen zu wenige Menschen mit Herzinsuffizienz an einer Rehabilitation teil. Schätzungen zufolge werden weniger als 15 Prozent der Betroffenen in Deutschland zu einer kardiologischen Rehabilitation überwiesen, obwohl medizinische Leitlinien diese Behandlung klar empfehlen.
Frauen deutlich unterrepräsentiert
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nur etwa 17 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.
Das könnte darauf hindeuten, dass Frauen seltener zu einer Rehabilitation überwiesen werden oder diese weniger häufig in Anspruch nehmen. Hier sehen Fachleute deutlichen Aufklärungs- und Verbesserungsbedarf.
Ein wichtiger Baustein für die Herzgesundheit
3 Fragen an Prof. Dr. Stephan Eddicks
Prof. Dr. Eddicks, in Ihrer Studie waren deutlich weniger Frauen vertreten. Woran könnte es liegen, dass Frauen seltener an einer kardiologischen Rehabilitation teilnehmen?
Unsere Daten sind repräsentativ für den Standort Deutschland, da diese in 17 Studienzentren erhoben wurden. Der sogenannte „Gender Gap“, dass Frauen seltener an einer Rehabilitationsmaßnahme teilnehmen, lässt sich auch in anderen Publikationen aufzeigen. Als Barrieren gelten womöglich traditionelle gesellschaftliche Rollenmodelle (z.B. familiäre Verpflichtungen), psychologische Hemmschwellen (Depression, von extern an Frauen gerichtete Ansprüche), Mangel an Kenntnis des Nutzens (bei Patientinnen und Ärzten) bis hin zu fehlenden Möglichkeiten der Mobilität (z.B. fehlender Führerschein bei älteren Frauen).
Unterscheidet sich eine Herzschwäche bei Frauen von der bei Männern, zum Beispiel bei den Symptomen oder im Krankheitsverlauf?
Bei der Herzinsuffizienz zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede – sowohl in der Ausprägung als auch in der zugrunde liegenden Pathophysiologie. Männer entwickeln häufiger eine systolische Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpleistung (HFrEF), während bei Frauen vermehrt eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpleistung (HFpEF) auftritt. Die daraus resultierenden Symptome unterscheiden sich deutlich: Bei Frauen rufen sie häufiger Müdigkeit, Schlafstörungen, Angst, Depression und nächtliche Atemnot hervor, während bei Männern eher die klassische Atemnot bei körperlicher Anstrengung im Vordergrund steht. Aus klinischer Sicht weisen Frauen tendenziell ausgeprägtere Stauungszeichen auf und neigen zu mehr Kurzatmigkeit, Männer hingegen haben weniger Ödeme und eine höhere Belastungstoleranz. Wichtig ist es bei Frauen, die gynäkologische Anamnese zu berücksichtigen, da schwangerschaftsassoziierter Hochdruck und Diabetes sowie eine hohe Geburtenzahl und Autoimmunerkrankungen eine Rolle bei der Entstehung von HFpEF spielen können.
Viele Menschen mit Herzschwäche haben Angst, sich körperlich zu belasten. Wie hilft die Rehabilitation dabei, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen?
Einige Patient*innen haben sich durch ihre Herzerkrankung über Jahre nicht sportlich bewegt. Luftnot bei geringer Belastung führt oftmals zu einem Vermeidungsverhalten. Die Tatsache, dass in der Reha unter Anleitung, Supervision und medizinischer Korrektur gearbeitet werden kann, leistet Enormes. Und so ganz nebenbei: Bewegung macht Spaß!
Spaß macht jedoch auch, dass die Patient*innen nach der Reha wieder vielschichtiger am Leben teilhaben können, was von hohem gesellschaftlichem Wert ist.